
antwortete der Mann aus Algerien auf die Frage, ob er nicht besser zurückgehen wolle, als er vor sechs Meter hohen Stacheldrahtzäunen stand, die die „Festung Europa“ in Ceuta (spanische Enklave auf dem Festland Marokkos) vor illegalen Einwanderern absichern soll (Milborn 2006:41).
“In Algerien gibt es nichts, nichts, nichts. Bevor ich zurückgehe, sterbe ich! Ich will arbeiten, eine Familie gründen, eine kleine Wohnung haben und genug zu essen. Sonst nichts. … Das schwöre ich – für mich heißt es: Europa – oder der Tod!”
Mit dieser oder einer ähnlichen Einstellung machen sich jährlich tausende von Menschen aus Krisengebieten dieser Welt auf, um ein neues Leben in Europa zu suchen. Wenn sie die gefährliche Reise überleben, beginnt für sie ein sehr langer Weg auf der Suche nach Asyl und einer neuen Heimat.
Österreich hat schon eine lange Tradition als Einwanderungsland. Jährlich werden nach wie vor zwischen 15.000 und 25.000 neue Asylanträge gestellt. Durch zunehmende Krisenherde, aber auch durch den Klimawandel, bewegen sich ganze Flüchtlingsströme nach Europa.
Laut Angaben von UNHCR befanden sich Ende 2005 20,8 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht, und das Innenministerium in Libyen schätzt, dass „zwei Millionen Afrikaner aus den Ländern südlich der Sahara auf die Überfahrt [nach Europa, P.B.] warten“, schreibt Milborn (:24). So ist die Flüchtlingsthematik nahezu ein alltägliches Thema in den europäischen Medien und eine Polarisierung in der Gesellschaft nimmt stark zu. Auch politische Parteien heizen die Angst vor Überfremdung oder Islamisierung an.
Auf der anderen Seite aber sagen selbst Politiker, „dass eine wachsende Wirtschaft, ein starker Tourismus und sichere Pensionen ohne Zuwanderung in Zukunft nicht zu gewährleisten sind“ (LH-Stv. von Tirol Fr. Zanon in der TT am 30.11.2007).
Für den Flüchtling selbst bedeutet der Weg, im Westen eine neue Lebensgrundlage zu finden, eine weitere menschliche Tragödie, denn eine restriktive Ausländerpolitik, gesellschaftliche Polarisierung und Anzeichen von Ausländerfeindlichkeit nehmen immer mehr zu. Die Würde, als von Gott geschaffene Menschen leben zu können, finden Flüchtlinge nur äußerst selten im christlichen Abendland.
Wo aber stehen die Christen, die dem Wort Gottes verpflichtet leben möchten, bei dieser gesellschaftlichen Herausforderung? Wie reagieren christliche Gemeinden in Österreich auf diese humanitäre Katastrophe in unserer unmittelbaren Nachbarschaft? Ist es ein Auftrag Gottes, hier aktiv zu sein, oder lenkt uns diese bodenlose Not und Ohnmacht von unserem eigentlichen Auftrag ab? Kann ich oder eine Gemeinschaft überhaupt etwas tun?
Mit freundlicher Genehmigung aus der Abschlussarbeit von Peter F. Biber „Flüchtlingsströme – diakonischer Auftrag am Beispiel der Evangelikalen in Tirol“, durchgeführt am Institut für Gemeindebau und Weltmission (IGW), Josefstr. 206, CH 8005 Zürich, Schweiz. Kontakt: peter.biber@iteams.at
Literaturzitat aus: Milborn, Corinna: Gestürmte Festung Europa – Einwanderung zwischen Stacheldraht und Ghetto – Das Schwarzbuch. Wien-Graz-Klagenfurt: Styria-Verlag, 2006.